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Meldung:

Bürgermeister-Kandidat Siegfried Richter (1963, SPD-Archiv, Lautertal)
Reichenbach, 02. Februar 2013

SPD-Archiv hatte Einzelheiten parat

Gerit und Erika Richter (he)
+Gerit und Erika Richter beim Sichten der Wahlkampfunterlagen (Foto: he)
Bürgermeister-Kandidat Siegfried Richter (1963, SPD-Archiv, Lautertal)
+Bürgermeister-Kandidat Siegfried Richter (1963)

Über die Details eines emotionalen Wahlkampfes informierte sich jetzt Gerit Richter im Archiv der SPD. Die an der Vergangenheit interessierte Frau wollte die Hintergründe wissen über den Kampf um den Reichenbacher Bürgermeisterposten, an dem vor 60 Jahren auch ihr Vater Siegfried Richter beteiligt war.

Der damals 36-jährige Finanzbeamte war nach dem Krieg aus Frankfurt/Oder nach Reichenbach gekommen und heiratete hier Erika Neff. Im Eigenheim der Familie im Felsbachweg wohnen noch heute Mutter und Tochter.

In den Nachkriegsjahren hatte in Reichenbach die SPD eine Mehrheit und stellte mit Wilhelm Jährling den Bürgermeister. 1957 lag dann knapp die Reichenbacher Wählergemeinschaft (RWG) vorn und wählte Peter Bessinger zum Bürgermeister. Dieser hatte das Amt schon von 1936 bis zum Einmarsch der US-Armee inne und behielt es auch, als es bei den Kommunalwahlen 1960 zu einem Patt im Gemeinderat kam. Bessinger verstand es, die unterschiedlichen Meinungen unter einen Hut zu bringen und bei heißen Diskussionen die Wogen zu glätten.

Neuwahl wegen Tod des Bürgermeisters

1962 jedoch verstarb Bessinger und Reichenbach musste einen neuen Bürgermeister wählen. Die RWG setzte auf den bisherigen Ersten Beigeordneten Karl Germann (46), Einheimischer, in vielen Vereinen aktiv. Als Krankenkassenangestellter arbeitete er im Dorf und hatte somit tagtäglich Kontakt zu vielen Bürgern.

Die SPD setzte andere Maßstäbe. Mit dem jungen, „zugereisten“ Siegfried Richter, der auch berufsbedingt kaum in den Vereinen mitarbeitete, aber gute fachliche Qualitäten anzubieten hatte, bot sie ein „Kontrastprogramm“. Hier der joviale, überall die Szene beherrschende, politisch mit allen Wassern gewaschene und seine Meinung oft auch brachial durchsetzende Karl Germann – dort der junge, zurückhaltende, auf Ausgleich bedachte Siegfried Richter. Das konnte nicht gutgehen.

Erika Richter hatte ihren Mann vor der Kandidatur gewarnt. Schließlich kannte sie über ihre Mutter die Reichenbacher, obwohl sie hier nicht aufgewachsen war. Vor allem die fehlende Einbindung in die örtlichen Vereine führte sie als Manko an.

Heißer Wahlkampf

Der Wahlkampf wurde von beiden Seiten überwiegend mit Flugblättern und Veranstaltungen geführt. Die Heimatzeitung war damals noch weitgehend außen vor. Die Flugblätter, DIN A 4, eng auf Vorder- und Rückseite bedruckt, manchmal mit Foto des Kandidaten, enthielt detaillierte Argumente, die in ihrer Fülle heute kaum noch gelesen werden würden. Die öffentlichen Veranstaltungen waren von Emotionen geprägt. Da wurden oft alte Geschichten aus der Zeit der Hitler-Diktatur und das Eheleben des Kandidaten aufgewärmt.

Bezahlt gemacht hat sich dies alles für Karl Germann, dessen Partei am 6. Januar 1963 mit rund 68 Prozent der Stimmen siegte und ihn zum Bürgermeister wählte. Die SPD und Siegfried Richter standen auf verlorenem Posten. Die Art des Wahlkampfes und die Auseinandersetzungen im Dorf jedoch sollten Schule machen und haben sich teilweise bis in die heutige Zeit hinein erhalten.

Gerit Richter zeigte sich überrascht, dass noch so viele Unterlagen aus der damaligen Zeit erhalten geblieben sind. Anders sah dies bei den Fotos aus. Die 1960- Jahre waren nachweislich nicht das Jahrzehnt der Fotografie. Doch über Reichenbach wurde in dieser Zeit ein Film gedreht, der auch Siegfried Richter als Gemeindevertreter zeigt. Dokumente und Fotos will Gerit Richter jetzt weiter zusammentragen und sichten, um damit ein umfassendes Bild über die politische Tätigkeit ihres Vaters mit der Bürgermeister-Kandidatur als Höhepunkt zu erhalten.
(Text: he)

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