SPD Lautertal
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Elmshausen, 14. Januar 2013
Die Geschichte der Lautertaler SPD-Ortsbezirke - Teil 2

Gründung der SPD Elmshausen

Ehemaliges Gasthaus „Zum Schwanen“ (Repro: he)
+Ehemaliges Gasthaus „Zum Schwanen“
„Arbeiter-Radfahrer“ (Repro: he)
+„Arbeiter-Radfahrer“

Belegen lässt sich die Gründung der SPD in Elmshausen bisher nicht. Doch kann die Gründungszeit eingegrenzt werden.

Bekannt ist, dass die Reichenbacher Sozialdemokraten und Gewerkschafter spätestens mit der Nutzung des Saals im Gasthaus „Zum Schwanen“ gegenüber der Beutelschule als Zentrum der Arbeiterbewegung versuchten, die Basis im Tal zu vergrößern. Sie organisierten oder unterstützten Veranstaltungen in der Nachbarschaft, so beispielsweise eine Kundgebung zur Reichstagswahl am Sonntag, 09.09.1906, bei „Herrn Fritz Eck“ in Elmshausen mit dem Arbeitersekretär Zahn aus Mühlheim, dem Kandidaten für den Wahlkreis Erbach-Bensheim („Mainzer-Volkszeitung“ vom 07.09.1906).

Nach Berichten über eine Vertrauensmänner-Konferenz am 09.10.1910 in Birkenau („Hessischer Volksfreund“, Darmstadt, vom 11.10.1910) gab es im Wahlkreis Erbach/Bensheim 20 Ortsvereine, in der näheren Umgebung nur in Auerbach, Bensheim, Reichenbach, Rimbach und Zwingenberg. Zur „Verbesserung der Organisationsstruktur“ wurde ein „Agitationskomitee“ gebildet, dem u.a. auch Jakob Roth IV. aus Reichenbach angehörte. Ziel war die Gründung weiterer Ortsvereine im Wahlkreis Bensheim.

In einer Spendenliste für die Ausgesperrten bei der DESTAG (MV vom 04.05.1911) ist ein „Arbeiter-Radfahrerverein Frisch-Auf Elmshausen“ aufgeführt, ein untrügliches Zeichen dafür, dass eine Arbeiterbewegung im Dorf und mit ihr in der Regel auch ein SPD-Wahlverein bereits bestand.

Bei der Wahlkreiskonferenz am Sonntag, 29. Juli 1911 in Reichenbach, wurde die Zahl der Organisationen schon mit 33 angegeben, ohne freilich die neuen Gliederungen zu nennen (MV vom 30.07.1911). Der Mitgliederstand im Wahlkreis war von 563 auf 883 gestiegen.

In einem Artikel in der „Mainzer Volkszeitung“ vom 20.11.1911 wurde über die Kündigung eines Elmshäuser Arbeiters berichtet, der es nach Aufforderung seines Chefs abgelehnt hatte, die Nationalliberale Partei zu wählen. Der Artikel war nicht gekennzeichnet, da aber die Firma genannt wurde, stand dahinter mit Sicherheit eine Arbeiter-Organisation, sonst wäre eine Veröffentlichung im SPD-Blatt wohl auch aus juristischen Gründen abgelehnt worden.

Bei der Reichstagsstichwahl im Januar 1912, bei der sich mit Ludwig Hasenzahl erstmals ein Sozialdemokrat durchsetzen konnte, erreichte die SPD in Elmshausen mit Wilmshausen sensationelle 84,8% der Stimmen (MV vom 15.01.1912). Die extreme Erhöhung gegenüber der Stichwahl von 1903 deutet klar auf einen durch einen Wahlverein geförderten Stimmungsumschwung hin.

Im Jahresbericht 1920 – 1921 der SPD Hessen wird unter dem Kreis Bensheim der Ortsverein Elmshausen im vierten Quartal 1919 mit 49 männlichen und 0 weiblichen Mitgliedern aufgeführt. Die Mitgliederzahl in Elmshausen war vergleichsweise hoch, eindeutig zu hoch für einen Anfang/eine Gründung kurze Zeit vorher.

Fazit: Am 09.10.1910 bestand die SPD Elmshausen noch nicht, im vierten Quartal 1919 dagegen schon. Während des zweiten Weltkrieges von August 1914 – November 1918 wurden keine Wahlvereine gegründet. Im Vorfeld der Reichstagswahl kam es 1911, angeregt durch ein „Agitationskomitee“, zu 13 Neugründungen. In der Wahlkreiskonferenz am 30. Juli konnte das Komitee dann die Erfolge vermelden.

Aufgrund der Gründungswelle nach der Konferenz in Birkenau, des Bestehens eines Arbeiter-Radfahrervereins schon Mitte 1911 und des enormen Stimmenzuwachses bei der Reichstagswahl im Januar 1912 kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass sich die SPD Elmshausen im ersten Halbjahr 1911 gegründet hat.
(Text und Repro: he)



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