SPD Lautertal
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Meldung:

Die wirren Jahre des Beginns
Lautertal, 16. November 2012

Gemeinde und SPD Lautertal wurden 40

Geburtstagsfete im Gasthaus „Zur Traube“
Hans Jährling an der Drehorgel (Foto: Walter Koepff)
+Hans Jährling sorgte mit Arbeiterliedern für die musikalische Begleitung des Abends (Foto: Walter Koepff).
Helmut Lechner erinnerte mit Bildern an die Gründung der Großgemeinde und SPD Lautertal (Foto: Walter Koepff)
+Helmut Lechner erinnerte mit Bildern an die Gründung der Großgemeinde und SPD Lautertal (Foto: Walter Koepff).

Bewegte politische Jahre rief die SPD an historischer Stätte in Erinnerung. Bei der Festveranstaltung „40 Jahre Gemeinde Lautertal – 40 Jahre SPD“ im Saal des Gasthauses „Zur Traube“ erinnerten sich Helmut Lechner und Hans Jährling an das zähe Ringen um die Großgemeinde, die Gründung der SPD Lautertal und den Kampf der Sozialdemokratie mit Willy Brandt um eine Mehrheit im Bund.

„Die Zeit war damals reif für große Veränderungen“, so Helmut Lechner. Viele Menschen hätten in vielen Bereichen versucht, den Staub und den Mief der Nachkriegsjahre zu beseitigen. Herausgekommen wäre dabei die „68-er Revolution“, in deren Folge in Deutschland die Fenster geöffnet und Frischluft hereingelassen worden sei. In Bonn beteiligte sich die SPD, durch das Godesberger Programm von der Arbeiterpartei zur Volkspartei gewandelt, erstmals an der Bundesregierung. Willy Brand und Egon Bahr hätten eine neue Ostpolitik entwickelt, die auf Ausgleich und Versöhnung ausgerichtet war.

Die Neuerungen im Bund und die Gebietsreform in den Dörfern habe die Arbeit vor Ort nicht gerade erleichtert. Zumal, so Lechner, die vorher selbständigen Gemeinden ihre eigenen Vorstellungen hatten. „Wilmshausen wollte zu Bensheim, Elmshausen nach Lautertal, Reichenbach mit Beedenkirchen selbständig bleiben, Lautern wiederum zog es nach Bensheim, Gadernheim hoffte auf eine Eigenständigkeit mit Kolmbach, Schannenbach favorisierte Heppenheim“.


(Bildergalerie 1: Fotos: Walter Koepff)

An der Infrastruktur mangelte es

„Wir verhandelten damals jeden Tag bis in die tiefe Nacht hinein“, meinte Lechner, der die SPD in Reichenbach führte. Die Sozialdemokraten seien der festen Überzeugung gewesen, dass nur eine Großgemeinde mit allen Dörfern im Tal den Schritt hin zu einer modernen Kommune und einer sinnvollen Infrastruktur bewältigen könne. Und gerade an der Infrastruktur habe es überall gemangelt. So wäre die Wasserversorgung ein einziges Chaos gewesen, manchmal sei Wasser aus der Leitung gekommen, manchmal nicht. Die Kanalisation wäre nur unzureichend ausgebaut, die Müllentsorgung hätte noch in den Kinderschuhen gesteckt, Seitenstraßen und Bürgersteige seien oft noch nicht befestigt gewesen.

Trotzdem meinten gleich mehrere Dörfer, alle Probleme alleine, oder mit anderen Partnern bewältigen zu können. Umliegende Kommunen hätten versucht, so Hans Jährling, einzelne Dörfer abzuwerben. Der damalige Erste Beigeordnete der Gemeinde Elmshausen gestand ein, auch einmal eine Einladung zum Essen in einer Nachbarkommune angenommen zu haben. Doch dies wäre inzwischen genauso „verjährt“, wie diverse Angebote insbesondere an die Vertreter der Höhengemeinden.


(Bildergalerie 2: Fotos: rr und he)

Land Hessen zog einen Schlussstrich unter die Diskussionen

Lechner und Jährling waren damals froh, als durch die Verfügungen von Land und Kreis ein Schlussstrich gezogen wurde und Lautertal ab dem 1. Januar 1972 bestand. Doch damit hätten sich die politischen Probleme noch beschleunigt. Ins Reichenbacher Rathaus sei mit Kurt Radtke ein „Aufpasser“ gesetzt worden und der „entmachtete“ Bürgermeister Karl Germann habe nun überall „geschürt“. Trotz modernem Wahlkampf mit hohen Besucherzahlen und fast 90-prozentiger Wahlbeteiligung habe die SPD die März-Wahl 1972 „hauchdünn“ verloren. Karl Germann, der „ewige Gegner Lautertals“, sei zum Bürgermeister der Großgemeinde gewählt worden.

Mit der nachträglichen Beteiligung der Höhengemeinden wurde jedoch eine Nachwahl im Herbst 1972 notwendig. Und diese Chance habe die SPD genutzt. In einem halbjährigen „Dauerwahlkampf“ hätte sich „die Stimmung gedreht“, zusammen mit der BVL errangen die Sozialdemokraten eine knappe Mehrheit und wählten Josef Weitzel zum Bürgermeister.

Während aller „kommunalpolitischen Aufregungen“ wurde im Januar 1972 „nebenbei“ auch noch die Lautertaler SPD gegründet, die Helmut Lechner zu ihrem Vorsitzenden wählte. Ihr folgten die neuen Ortsbezirke in Lautern und Beedenkirchen. Auch hier habe jeder Ortsteil versucht, seine Vorstellungen und seine Kandidaten durchzusetzen, was wiederum zu langen Sitzungen geführt und viel Überzeugungsarbeit gekostet habe.

„Aufwand hat sich gelohnt“

Lechner und Jährling waren sich einig, dass sich aller Aufwand und auch Ärger gelohnt habe. Trotz der heutigen, vorwiegend durch falsche Weichenstellungen von Bund und Land verursachten Finanzprobleme, stehe Lautertal gut da, habe alle Vorhaben der Gebietsreform aufgearbeitet. Dies bestätigte auch die frühere Landtagsabgeordnete Karin Hartmann. Wie die Gemeinde den Wegzug und den Rückgang gewerblicher Betriebe in den neunziger Jahren verkraftet habe, sei „vorbildlich“. Mit ihren Bemühungen im Tourismus und den Maßnahmen am Felsenmeer habe sie eine neue, erfolgreiche Entwicklung eingeleitet. Und die SPD im Tal sei und bleibe eine „Hochburg“ der Sozialdemokratie im Kreis Bergstraße.

Die gut besuchte Veranstaltung war durch den Vorsitzenden Rouven Röhrig eröffnet worden, der seinen ersten Bieranstich erfolgreich bewältigte. Hans Jährling spielte auf seiner Drehorgel auch alte Arbeiterlieder und auf der Leinwand und an den Tischen wurden alte Fotos aus den siebziger Jahren gezeigt. (Text: he)

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