SPD Lautertal
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Meldung:

Lautertal, 13. November 2012
Gedenken an Pogromnacht

Rede der Vorsitzenden der Gemeindevertretung Beate Dechnig

Kranzniederlegung durch Bürgermeister und Gemeindevorsteherin
+Kranzniederlegung durch Bürgermeister und Gemeindevorsteherin

Wir erinnern uns an die Ereignisse am Abend des 9. November 1938, als die Nazis ihrem Hass auf die Juden für alle sichtbar freien Lauf ließen. Es war eine staatlich gesteuerte Aktion, die sich auf offener Straße abspielte. Und das deutsche Volk wurde Zeuge, wie die Menschenrechte und die Menschenwürde mit Füßen getreten wurden.

Synagogen, Geschäfte und Kaufhäuser und sogar Friedhöfe der Juden wurden zerstört. Scheiben wurden eingeschlagen und viele Gebäude brannten. Einen Tag später, am 10. November, wurden etwa 30.000 Juden in Konzentrationslagern inhaftiert und viele überlebten diese nicht.

Die Reichenbacher Synagoge in der Bangertsgasse wurde in der „Reichsprogromnacht“ nicht zerstört. Hier und in Elmshausen war die Zahl der Juden so stark zurück gegangen, dass sich keine zehn Männer mehr für den Gottesdienst fanden. Deshalb kaufte die Gemeinde Reichenbach das Haus im Sommer 1938 und vermietete es als Wohnung.

Als alles überall brannte, gab es damals jubelnde und johlende Zeugen, viele haben geschwiegen oder vielleicht auch gleichgültig hingenommen, was geschah. Nur wenige haben ihren Unmut, ihr Entsetzen öffentlich zum Ausdruck gebracht.

Und heute sind es ebenfalls nur wenige, die den Mut haben, einzugreifen, wenn sie Zeuge werden, wie wehrlose Menschen auf offener Straße überfallen und zusammengeschlagen werden. Doch jeder von uns ist in der Lage, die Polizei zu rufen. Und jeder von uns ist in der Lage, bereits im Kleinen einzuschreiten, in seinem Lebensumfeld.

Rassismus und Ausgrenzung betreffen uns alle, hier und jetzt. Die Folgen von Globalisierung, Migrationsbewegungen und politischen Konflikten sind in unserer Gesellschaft spürbar. Damit müssen wir uns auseinandersetzen, um einen Weg zu finden für ein friedliches Miteinander in einer demokratischen Gesellschaft.

Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg ist das sich Erinnern und sich damit auch mit unserer Geschichte auseinanderzusetzen. Der Zugang zur Geschichte liegt dabei immer in der Gegenwart, in der eigenen Lebenswelt. Zugleich eröffnet sie neue Zugänge zum Nachdenken über Antisemitismus und Diskriminierung und was man dagegen tun kann.

Wer begreifen will, darf nicht wegsehen, sondern muss für die Grundrechte der Menschen einstehen. Das Recht auf Freiheit in den Gedanken und in der Religion. Wir alle können hierzu beitragen und stehen in der Verantwortung.

Beate Dechnig

(Vorsitzende der Gemeindevertretung)


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